Seit Dezember 2025 gibt es einen Luxus-Nachtbus von Barcelona nach Bern und Zürich. Er ersetzt gewissermassen den Hotelzug Pau Casals auf der gleichen Strecke. Aber auf der Autobahn statt auf Schienen.

Start ist der Busbahnhof Barcelona Nord, der immerhin in seinem früheren Leben mal ein Bahnhof war. Er ist modern eingerichtet und man findet seinen Bus sofort. Abzug gibt es fürs WC, das zahlungspflichtig ist. Praktisch ist hingegen, dass er sich am Rand der Altstadt befindet und damit im Gegensatz zu den meisten Flughäfen problemlos zu Fuss erreichbar ist.

Als ich 10 Minuten vor der Abfahrt eintreffe, steht der Bus der Firma Twiliner schon parat und man kann einsteigen. Die Fahrt kostet 156 Fr., spontan am gleichen Tag gebucht wären es 177 Fr. gewesen (es gab noch Plätze). Das ist teurer als die meisten Flugtickets. Dafür reist man über Nacht und quasi von Tür zu Tür, ohne mühsame Flughafentransfers, Sicherheitskontrollen und Gepäckaufgaben. Und in schlecht gebuchten Bussen gibt es manchmal kurzfristig Tickets für 94 Fr.

Alleinstellungsmerkmal von Twiliner sind die verstellbaren Sitze, die sich in waagrechte Liegen umwandeln lassen – zumindest auf Europas Strassen ist das neu, in Südamerika ist das „Cama“-Konzept verbreitet (oder „Semicama“ wenn man es nicht ganz flach kriegt). Dazu hat Twiliner extra ein Sicherheitskonzept mit Schlafsack-Gurten entwickelt, habe ich online gelesen. Den habe ich bei meinem Sitz allerdings nicht gefunden.

Der Sitz ist bequem und grosszügig, im doppelstöckigen Bus gibt es nur 21 Sitze. Ich habe den Logenplatz gebucht, vorne oben, der sich in den südamerikanischen Berglandschaften allerding mehr lohnt als auf der nächtlichen französischen Autobahn.

Im Eingangsbereich gibt es eine Verpflegungsecke. Wasser, Kaffee und Tee sind inbegriffen, Snacks und andere Getränke kann man kaufen. Leider ist die Kaffeemaschine defekt, aber es gibt Instantkaffee. Das Wi-Fi an Bord funktioniert gut, eine andere Passagierin ist sogar noch am arbeiten.

Abfahrt! Ein fettes Minus gibt es für die Lüftung. Der Bus ist offenbar den ganzen Tag an der prallen Sonne gestanden. Die Innentemperatur-Anzeige zeigt 46° C an. Allen Fahrgästen stehen Schweissperlen im Gesicht. Die Lüftung ist der Hitze nicht gewachsen, nach zwei Stunden sind es immer noch 33° C, um Mitternacht 30° C. Offenbar ein bekanntes Problem bei diesem Bustyp, obwohl er in Spanien hergestellt wird. Wenn Twiliner das nicht in den Griff kriegt, wird es wohl schwierig über die Sommermonate.

Wir nähern uns der Grenze! Ungewöhnliche Perspektive, den Autobahn-Schildern so nahe zu sein.

In Girona steigen ein paar Passagiere zu, dennoch ist nur etwa jeder zweite Sitz belegt. Ich nutze den halbstündigen Aufenthalt, um halbwegs frische Luft zu schnappen und komme mit der Crew ins Gespräch. Die beiden abwechselnd fahrenden Chauffeure sind Filipinos. Man ist also wie auf den Weltmeeren unterwegs – die meisten Matrosen auf grossen Schiffen sind auch aus den Philippinen. Den Chauffeuren ist die Hitze im Bus unangenehm und sie tun ihr Möglichstes, um die Lage zu verbessern.

Um halb elf Uhr queren wir die spanisch-französische Grenze in La Jonquera. Autobahn, kein Grenzerlebnis… Zeit zum Schlafen! Nach 30000 Schritten durch Barcelona gelingt mir dies glücklicherweise trotz immer noch 30° C im Bus ganz gut.

05:17 Uhr: kurzes Aufwachen für ein Foto des Grenzübergangs Bardonnex. Auch hier gibt’s glücklicherweise keine Passport Party. Busse werden an der Schweizer Grenze ja oft gestoppt und einer Zollkontrolle unterzogen. Luxusliegebusse offenbar nicht.

Romantisch: Sonnenaufgang auf der Autobahn in den Weinbergen über dem Genfersee. Mittlerweile sind es im Bus noch aushaltbare 24° C.

Erinnerungen an Hostel-Dorms werden wach…

Morgentoilette. Das WC ist sauberer und ansprechender als im durchschnittlichen Nachtzug.

07:10 Uhr: Ankunft in Bern Neufeld, 50 Minuten zu früh. Von hier aus kann ich in wenigen Minuten zu Fuss nach Hause gehen. Schon sehr praktisch – und absolut ungewohnt nach einer so langen Reise.
Fazit: Eigentlich ein tolles Konzept. Von Tür zu Tür, dazwischen ein Bett und ein wenig Luxus (für Bus-Verhältnisse). Aber in der heissen Jahreszeit würde ich erst checken, ob Twiliner das Lüftungsproblem in den Griff bekommen hat, bevor ich nochmals buche. Und ich frage mich, ob das Konzept rentabel sein kann…
