Reportage

Reisebericht Nordkorea (2013)

Was viele überraschen mag: Die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) ist ein unkompliziertes Reiseland. Ein sehr ungewöhnliches Reiseland zwar, an dem man sich an spezielle Regeln gewöhnen muss: Es sind nur vom staatlichen Reisebüro Ryohaengsa (Korea International Travel Company) organisierte und begleitete Touren möglich, und diese sind nicht ganz billig (wir zahlten 1030 € pro Person für 6 Tage). Allerdings ist es völlig unbürokratisch und einfach, das Visum zu bekommen, und das Land ist absolut sicher (solange man nicht so blöd ist und die Grossen und Lieben Führer beleidigt).

Von der Ankunft in Pjöngjang bis zur Abreise wird man stets von zwei koreanischen Reiseführern begleitet, die einerseits durch die Sehenswürdigkeiten des Landes führen und andererseits aufpassen, dass die Touristen nichts Unerwünschtes tun oder sehen. Natürlich darf man nicht alles fotografieren was man will und auch nicht überall hingehen. Die Reiseführer machen jeweils freundlich, aber unmissverständlich darauf aufmerksam, was drin liegt und was nicht. Es liegt beispielsweise nicht drin, koreanisches Geld zu erwerben, allein durch Pjöngjang zu spazieren oder Sachen zu fotografieren, welche das Land schlecht aussehen lassen. Was bei Übertretungen passieren würde ist unklar, aber üblicherweise will man dies in Nordkorea nicht provozieren.

Die Begleitung durch zwei Reiseführer klingt nach Überwachung und Einschränkung, was auch sicher zutrifft – man sagt, dass es zwei Reiseführer sind, damit auch der eine den anderen überwachen kann. Andererseits waren unsere beiden Reiseführer äusserst liebenswerte und hilfsbereite Leute, die unseren Wünschen immer so weit wie möglich entgegenkamen, ihr Volk von der besten Seite repräsentierten und uns das Leben in der DVR Korea mit vielen Erzählungen näher brachten. Wir konnten durchaus offen über alle möglichen Themen (auch Politik) sprechen, natürlich diplomatisch formuliert. Von den Reiseführern ist allerdings nicht zu erwarten, dass sie von der offiziellen Linie abweichen oder regierungskritische Äusserungen machen – sogar wenn dies ihre Meinung wäre, wäre dies wohl gefährlich für sie.

Nach sechs Tagen in der DVR Korea schreibe ich diesen Bericht in China und geniesse hier doch wieder die Freiheit, allein durch die Stadt gehen zu dürfen und selber zu bestimmen, wo einzukaufen und zu essen. Wir sahen in der DVR Korea dank einem Mammutprogramm (bis zu 10 Stationen pro Tag, unterbrochen nur für das Essen) zwar extrem viel, aber dennoch praktisch nichts vom Alltag der Einheimischen. Es ist auch nicht möglich, mit einer zufälligen Person auf der Strasse zu sprechen – alle Kontakte mit der Bevölkerung sind kontrolliert und orchestriert, teilweise sogar inszeniert.

Das Programm der typischen Koreareise ist sehr voll und abwechslungsreich. Man besichtigt dabei durchaus Sachen, die nicht auf das Standardprogramm von Touristen gehören, wie eine landwirtschaftliche Kollektive, eine Mittelschule oder eine Mineralwasser-Flaschenabfüllanlage; aber auch klassische Sehenswürdigkeiten wie die grossen Monumente in Pjöngjang und die historischen Baudenkmäler von Kaesong. Die Besichtigungen verlaufen fast immer nach dem gleichen Muster: Schon auf dem Parkplatz wartet eine charmante junge Führerin im traditionellen Seidengewand, die danach die wichtigsten Informationen zur Attraktion vermittelt: Seit wann es existiert, wie viele Mal sie von Kim Song Il und Kim Il Sung besucht worden ist und welche Ratschläge sie dabei gegeben haben, eine Referenz auf die Arbeiterklasse oder die Partei und anderes Wissenswertes. In der Regel wird auch noch erwähnt, dass man irgendeine Norm massiv übertroffen habe, und irgend ein Zahlenspiel mit Bezug zur Staatsideologie (v.a. zu den Geburtstagen der beiden Führer) geboten – die Höhen und Breiten aller Monumente haben eine Bedeutung.

Unseren Reiseführern zufolge werden immer mehr Orte und Sehenswürdigkeiten in Korea für die Touristen zugänglich gemacht – möglicherweise soll sogar in Zukunft möglich sein, sich frei in Pjöngjang zu bewegen. Wann dies der Fall sein wird, ist allerdings unklar. Eine Reise darf allerdings bereits jetzt unbegleitet (und weitgehend unbewacht) gemacht werden: Die Zugfahrt von Dandong nach Pjöngjang. Sie bietet einen sehr interessanten Einblick in das Leben in den ländlichen Gegenden.

Trotz aller Einschränkungen möchte ich aber betonen, dass Nordkorea ein interessantes Reiseland mit beeindruckenden Sehenswürdigkeiten, gutem Essen und einer sehr herzlichen Bevölkerung ist.

Einreise und Visum


Foto: Einreisestempel

Die Beantragung des Visums ist derart einfach, dass man dazu nicht einmal selbst mit den koreanischen Behörden in Kontakt treten muss. Da man die Reise ohnehin durch ein Reisebüro organisieren lassen muss (üblicherweise ein westliches Reisebüro mit Kontakten zum koreanischen staatlichen Reiseveranstalter Ryohaengsa), wird die gesamte Bürokratie von diesem erledigt. Ich musste dem Reisebüro lediglich einen sehr kurzen Visumantrag (als Excel-Datei) sowie Scans von Passfoto und Reisepass mailen. Einige Tage später erhielt ich einen Anruf von der koreanischen Botschaft in Bern, welche die gegebenen Informationen von bestätigen liess und danach das OK nach Pjöngjang gab.

Erst am Tag vor der Einreise in die DVR Korea mussten wir überhaupt zum ersten Mal den Reisepass vorweisen: Im Büro von Ryohaengsa in Dandong, der chinesischen Grenzstadt zu Korea, stellte uns ein Reisebüro-Angestellter (kein Konsul oder Botschaftsangestellter!) das Visum nach Vorlage des Reisepasses und von 300 Yuan (ca. 45 Franken) aus. Das Visum wird nicht in den Pass geklebt, sondern ist ein separates Dokument, eine Art temporärer Reiseausweis für die Reise nach Korea. Es sieht ein bisschen gebastelt aus und ist es auch: Noch vor der Einreise löste sich bei mir schon das Passfoto wieder ab, und bei meiner Reisekollegin vergass man, den Nachnamen einzutragen (es stand nur der erste und zweite Vorname) – dies war während der ganzen Reise gar kein Problem, es wurde vermutlich nicht einmal bemerkt.

Die Grenzkontrollen bei der Ein- und Ausreise verliefen beide sehr entspannt, ich habe schon deutlich gründlichere Kontrollen erlebt (z.B. in der Türkei). Der Zug hält jeweils für zwei Stunden im Grenzbahnhof Sinuiju, wobei die umfangreichen Bauarbeiten am Bahnhof für etwas Unterhaltung sorgen. Pässe und Visa werden am Anfang eingesammelt und kurz vor der Abfahrt wieder verteilt, Fragen dazu wurden keine gestellt. Auf einem Formular muss man – wie auch in der Ex-Sowjetunion üblich – Devisen und technische Geräte deklarieren. Das Gepäck wird nur sehr oberflächlich kontrolliert, wobei die Zöllner mehr aus Neugier als zu Kontrollzwecken modernen technischen Geräten und Büchern sehr viel Aufmerksamkeit widmen. Mobiltelefone werden genau angeschaut, was mir unverständlich ist, hat man doch in der DVR Korea ohnehin keinen Empfang – für die Dauer des Aufenthalts muss man ohne SMS, Telefon und Internet auskommen (was ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist).

Es soll häufig vorkommen, dass bei der Ausreise kontrolliert wird, ob man nichts Verbotenes fotografiert hat. Wir hatten diesbezüglich Glück, unsere Fotoapparate wurden nicht gefilzt. Der Chinese in unserem Abteil musste sie hingegen für etwa eine Stunde hergeben (so erging es mir bei der Einreise mit dem USB-Stick, den ich blöderweise noch im Hosensack hatte).

Unter diesen Umständen ist es nicht schwierig, Verbotenes wie koreanisches Geld oder verbotene Fotos ins Ausland zu bringen – tatsächlich kann man auch an jeder Ecke in Dandong koreanische Banknoten kaufen. Und auch die Korruption blüht: Bei unserer Einreise teilten wir das Abteil mit zwei Offiziellen, die mit Dienstpässen reisten. Sie hatten zahlreiche Stangen Zigaretten dabei, wendeten eine Kontrolle aber ab, indem sie dem Zöllner zwei Stangen in die Tasche steckten.

Verkehr


Foto: Metrostation mit Chollima-Bus

Vom öffentlichen Verkehr bekommt man als Tourist in der DVR Korea nicht viel mit über. Ausnahmen sind einzig die Bahnstrecke von Dandong nach Pjöngjang sowie die Metro von Pjöngjang.  Die Zugfahrt von Dandong nach Pjöngjang ist sehr angenehm: Die Waggons (sie werden abwechselnd von der koreanischen und der chinesischen Bahn gestellt) sind modern und bequem, die Landschaft abwechslungsreich und es ist ein Einblick in das Leben in den koreanischen Dörfern möglich. Der Zug fährt sehr langsam (5 Stunden für die ca. 200 Kilometer von Sinuiju nach Pjöngjang), ist aber ziemlich pünktlich.

Abgesehen davon hatte ich nicht so einen guten Eindruck von der Eisenbahn. Obwohl Sinuiju – Pjöngjang die Hauptstrecke der koreanischen Bahn ist, begegneten uns auf dem Hinweg keine anderen Züge ausser dem Gegenzug nach China. Auf dem Rückweg überholten wir einmal einen innerkoreanischen Zug von Pjöngjang nach Sinuiju. Auch bei allen Fahrten ausserhalb von Pjöngjang sahen wir nie fahrende Züge, obwohl viele Bahnstrecken und Bahnhöfe vorhanden sind. Auch am Bahnhof von Pjöngjang, an dem wir oft vorbeifuhren, standen nie Personenzüge zur Abfahrt bereit – unsere Führer erklärten dies damit, dass es in Pjöngjang noch einige andere Bahnhöfe gebe. Jedenfalls müssen schon Bahnverbindungen nach Hamhung und Wonsan existieren, ich habe aber den Verdacht, dass diese unregelmässig und unzuverlässig sind.

Daneben scheint ein Fernstrecken-Bussystem zu existieren. Wir sahen auf den Autobahnen immer wieder solche Busse. Die Strassen sind aber katastrophal. Insbesondere die Autobahnen geben ein absurdes Bild ab: Bis zu 10-spurige Schlaglochpisten, fast ohne Verkehr. Besonders schlimm ist die Strecke Pjöngjang – Nampo, wo man mit maximal 40 km/h um die Schlaglöcher kurvt – zwei intakte Spuren würden den wenigen Verkehr problemlos schlucken. Etwas besser ist die „nur“ 6-spurige Wiedervereinigungs-Autobahn von Pjöngjang an die Grenze zu Südkorea, auf der ebenfalls fast gar kein Verkehr herrscht. Auf halber Strecke gibt es dort eine modern ausschauende Raststätte, die an den „Fressbalken“ in Würenlos erinnert. Direkt über der Autobahn kann man dort Billard spielen…

Hervorragend scheint hingegen die Metro von Pjöngjang zu funktionieren, die nach dem Muster der sowjetischen Metros sehr tief im Boden ist und über prächtige Stationen mit beeindruckenden Wandbildern verfügt. Nicht „sowjetisch“ sind einzig die Fahrzeuge, die von der Berliner U-Bahn übernommen wurden (Spuren der Berliner Vergangenheit wurden allerdings verwischt, dafür grüssen nun Kim Il Sung und Kim Jong Il in jedem Wagen). Die beiden Linien haben zu Stosszeiten einen Takt von ca. 2 Minuten, die Fahrzeuge sind gut gefüllt. Gemäss allen Quellen dürfen Touristen jeweils nur eine Haltestelle weit am Rand des Netzes fahren – und wurde zu meiner Überraschung hingegen erlaubt, fünf Stationen bis zum Triumphbogen zu fahren.

Neben der Metro verkehren in Pjöngjang auch Trams, Trolleybusse und Busse zu einem Einheitstarif von 5 Won. Diese Verkehrsmittel sind jeweils überfüllt und sehr langsam, als Tourist ist die Benützung nicht vorgesehen. Daneben sind sehr viele Koreaner (insbesondere auf dem Land) mit Velos unterwegs, da fast niemand ein Privatauto besitzt.

 

Hotels


Foto: Zimmer neben der Reception vom Hotel in Onchon

In Nordkorea sind nur wenige, verhältnismässig luxuriöse Hotels für Touristen geöffnet, und man kann bei der Unterbringung auch nicht mitreden. Die Hotels sind immer kleine Gefängnisse; Es ist nicht möglich, sie ohne Begleitung der Reiseführer zu verlassen.  Alle drei Hotels, die wir in der DVR Korea besuchten, waren aber für sich eine Attraktion.

In Pjöngjang waren wir im Hotel Yanggakdo auf einer Insel im Fluss Taedong. Das Hotel hat etwa 45 Stockwerke, von unserem Zimmer im 39. Stock hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die Innenstadt von Pjöngjang. Das Hotel erinnert in jeder Hinsicht an die Intourist-Relikte in der ehemaligen Sowjetunion, wurde aber offenbar erst Mitte der 90er Jahre gebaut. Zur Zeit unseres Besuchs war es extrem schlecht ausgelastet (nur in 3-4 Etagen brannte Licht, als wir es mal nachts von aussen betrachteten), deshalb war ein Teil der Einrichtungen geschlossen. Wenn es im Vollbetrieb ist, verfügt es über fünf Restaurants: Nr. 1, Nr. 2, Koreanisches Restaurant, Chinesisches Restaurant und ein Drehrestaurant. Ein Drehrestaurant gehört offenbar zu jedem ernstzunehmenden nordkoreanischen Hotel. Im Erdgeschoss gibt es ausserdem ein Devisengeschäft, ein Buchladen, ein Souvenirladen und ein kleines Geschäft für schweizerische Tissot-Uhren; in einem Nebengebäude sogar ein Schwimmbad und eine Sauna. Die Korridore auf den Stockwerken strahlen mit ihren klobigen Couchs Sozialismus-Mief aus, die Zimmer lassen hingegen keine Wünsche offen (ausser dem Wi-Fi, natürlich).

Einen speziellen Luxus hatten wir an der Westküste im Hotel Ryonggang Hot Springs, nämlich ein privates Heilbad im Hotelzimmer! Die grosse Badwanne liess sich nämlich mit 40° warmem Heilwasser füllen, allerdings nur nach rechtzeitiger Ankündigung an der Reception. Offenbar waren wir nämlich die einzigen Gäste, und auch die Stromversorgung war nicht so zuverlässig. Das Hotel stand bis vor wenigen Jahren nur Parteikadern und Staatsgästen offen. Die grosszügige Anlage besteht aus einem Pavillon mit Reception, Restaurant, Billardraum und „Recreation Room“ und einigen verstreuten Villen. Auch hier war das Zimmer deutlich über meinem üblichen Standard auf Reisen.

Kaesong ist die einzige Stadt Nordkoreas mit einer Altstadt, und eine gesamte Strasse dieser Altstadt wurde in das „Folklore Hotel“ umfunktioniert. Hier schläft man – wie in Korea traditionell üblich – auf Matten am Boden und die Reiseführer fragen darum am nächsten Morgen besorgt, ob man trotzdem gut geschlafen habe. Bequem wäre es schon und ich hätte tatsächlich gut geschlafen, wenn mich nicht (sonntags!) um halb sechs Uhr der Radau der scheppernden Lautsprecher mit „motivierender“ Musik und Durchsagen für die Arbeiterbrigaden geweckt hätte.

Essen


Foto: Essen im Folklore-Hotel in Kaesong

Das Essen in Nordkorea hat mich in zweierlei Hinsicht überrascht: In der Qualität und in der Menge. Zweimal am Tag wurden uns zahlreiche Teller mit verschiedenen Speisen aufgetischt und am Schluss noch Suppe und Reis gereicht, sodass wir fast nie aufessen mochten. In einem Land mit so einem Hungerproblem wie Nordkorea irgendwie ein beschämendes Gefühl. Aber ich habe wirklich schon sehr lange nicht mehr so viel gegessen wie in diesen sechs Tagen Nordkorea.

Ausnahmslos zu jedem Essen inkl. Frühstück wurden zuerst Kimchi gereicht, scharf marinierte, eingelegte Kohlstücke. Kimchi gibt es in zwei Versionen: In Töpfchen mit Essig schwimmende Sommerkimchi und scharfe Kohlwürfel (Winterkimchi). Aber eigentlich schmeckten sie jedesmal anders, und scheinbar hat jede Koreanerin ihre eigenen Rezepte.

Ansonsten besticht die koreanische Küche durch eine Vielzahl vorwiegend vegetarischer Zutaten, die bei uns nicht zum Einsatz kommen, z.B. Glockenblumenwurzeln, frittierte Algen, Farn, fermentierter Reis, Bohnenpaste, gesalzene sehr kleine Fische… Auch in Europa bekannte Zutaten werden meist komplett anders zubereitet, häufig mit viel Sesamöl, Essig, Chili, Tomatenmark, manchmal Koriander – hingegen schmeckt fast nichts salzig (nicht selten aber recht scharf). Für Asien bemerkenswert fand ich, dass doch recht häufig Kartoffeln verwendet werden.

Während man bei uns im Restaurant jeweils ein Menu bestellt, bekommt man in Nordkorea fast immer eine Vielzahl kleiner Teller – in Kaesong (im Bild) waren es sogar 14 kleine Schälchen. Tendenziell erst gegen Ende des Essens wird der Reis serviert (da er nur zur Sättigung dienen soll) sowie die Suppe (die als Getränk gilt). In Korea sitzt man viel länger bei Tisch als in China, wo das Essen jeweils möglichst schnell hinuntergewürgt wird.

Ein paar koreanische Spezialitäten, die wir probierten, waren kalte Buchweizennudeln, Hot Pot und Bulgogi. Auf die kalten Nudeln hat sich das Massenrestaurant Okryu in Pjöngjang spezialisiert, das offenbar über 1000 Leuten Platz bietet und bei der Bevölkerung sehr beliebt ist. Die kalten, braunen Nudeln bekommt man in einer flachen Metallschale in einer Suppe mit verschiedenen Fleischsorten, Gemüse und Ei. Vor dem Essen wird noch ein ordentlicher Löffel intensiver Krensenf darunter gemischt, was die ganze Sache sehr scharf macht. Im Hot Pot wird – im Gegensatz zu unserem Fondue Chinoise – neben dem Fleisch noch viel Gemüse mitgesotten, das Ganze kräftig gewürzt und dann als Suppe gegessen. Bulgogi ist auch in koreanischen Restaurants im Ausland meist auf der Speisekarte. In Korea selbst werden dafür in Essig und Chili marinierte Rindfleischstücke auf einem Tischgrill gebraten.

Bier und andere Getränke


Foto: Flasche Bier im Hotel Ryonggang

Bierfreunden hat Nordkorea nicht viel zu bieten. Es gibt zwar verschiedene einheimische Biersorten, die preiswert (ab 0.30 €) und überall erhältlich sind. Diese sind aber klar „sozialistischer Brauart“, das heisst, sie schmecken gleich wie jene Biere nicht modernisierter Brauereien, die man heute noch manchen Gegenden der ehemaligen Sowjetunion erhält und in Russland heute als „Жигулевское“ vermarktet werden. Vom Geschmack her lässt es auf geringen Hopfengehalt schliessen, und wenn es zu warm wird, ist es scheusslich. In Devisenläden und Hotels sind ausserdem Amstel und Heineken erhältlich – da blieb ich dann doch lieber beim Sozialistenbier.

Neben Bier trinken die Koreaner sehr gerne Tee, wobei häufig Gerstentee (der wie sehr dünner Kaffee schmeckt) oder Nudeltee (wohl das Kochwasser der kalten Nudeln) ausgeschenkt wird. Ganz selten findet man auch das einheimische Cola (Tschansantschanmol), das überraschenderweise wie Pfirsichlimonade schmeckt. Die Koreaner trinken auch sehr gerne 25%-igen Reiswein, dessen 40%-ige Variante genau gleich wie Wodka schmeckt.

Personenkult und Propaganda


Foto: Mansundae-Grossmonument

Der Personenkult ist in der DVR Korea stärker ausgeprägt als in jedem anderen Land der Welt – sogar der Turkmenbaschi wirkt neben Kim Il Sung und Kim Jong Il ziemlich bescheiden. Der Führerkult durchdringt das koreanische Leben auf jeder Ebene und macht auch vor dem Tourismus nicht Halt: Die erste Station auf den meisten Korea-Reisen ist das Mansundae-Grossmonument, dessen Zentrum zwei riesige Bronzestatuen von Kim Il Sung und Kim Jong Il bilden. Touristen sind aufgefordert, einen Blumenstrauss zu kaufen, vor den Statuen niederzulegen und sich zu verbeugen. Auch vor weiteren Statuen (üblicherweise von Kim Il Sung, solche von Kim Jong Il sind relativ selten) war jeweils eine Verbeugung fällig. Dies mag eigenartig erscheinen, doch gilt es auch hier, die Gebräuche im Land zu respektieren.

Alle Nordkoreaner sind verpflichtet, ständig einen roten Anstecker mit dem Porträt von Kim Il Sung (teils auch von Kim Jong Il) zu tragen. Diese Anstecker gibt es in verschiedenen Ausführungen – mit oder ohne Logo der Koreanischen Arbeiterpartei, mit oder ohne Kim Jong Il – die jeweils Aufschluss auf die soziale Stellung des Trägers geben. An Touristen werden sie nicht verkauft.

Abgesehen von diesen Ansteckern haben die beiden Führer eine starke Präsenz im Stadtbild und der Landschaft. Überall stehen riesige Standbilder mit Portraits der Beiden, häufig mit bombastischem Hintergrund wie dem feuerrot beleuchteten Berg Paektu. Der Grosse Führer und der Liebe Führer grüssen von allen wichtigen Gebäuden, in allen öffentlichen Räumen hängen Porträts. Zitate der Kims begleiten die Koreaner den ganzen Tag, entlang von Strassen, in Schulen, Museen und im öffentlichen Verkehr. Die zahllosen Schriften der Führer dominieren Buchhandlungen und Bibliotheken.

Eine besonders bizarre Ausprägung des nordkoreanischen Personenkults sind die „on the spot guidances“, wie sie in englischsprachigen Publikationen genannt werden. Kim Il Sung war ein Universalgenie und besuchte unermüdlich Fabriken, Baustellen, landwirtschaftliche Betriebe und andere Institutionen. Anlässlich dieser Besuche gab er wertvolle Ratschläge, die von den Genossen jeweils sorgsam berücksichtigt wurden. Standbilder zeugen Kim Il Sung während diesen Besuchen im Kontakt mit der Arbeiterklasse, und grosse Tafeln listen die guten Ratschläge der beiden Führer allenthalben auf, sodass sie nicht vergessen gehen. Hinweise auf diese Besuche und Ratschläge durften bei keiner Führung fehlen. Auch Kim Jong Il und Kim Jong Un führen diese Tradition weiter, schauen fleissig Sachen an und geben wertvolle Hinweise – darüber berichten in der westlichen Welt auch ständig aktualisierte realsatirische Blogs („Kim Jong Un looking at things“, „Kim Jong Il looking at things“).

Obwohl der junge Führer Kim Jong Un die Tradition des „looking at things“ weiterführt, ist seine Präsenz im Vergleich zu Vater und Grossvater momentan noch ziemlich bescheiden. Ab und zu findet man Zitate von ihm, vielerorts zeugen auch Bildwände von seinen aktuellen Aktivitäten (sprich: Sachen anschauen). In den Buchhandlungen sind auch erste Werke vom neuen Führer erhältlich, derzeit allerdings bescheidene dünne Büchlein von 9 bis 12 Seiten. Einzig auf den Bahnhofsgebäuden werden derzeit offenbar alle Porträts der beiden älteren Kims durch den jungen Kim ersetzt – an einigen Bahnhöfen hängt er bereits, an anderen wurden die Alten immerhin bereits entfernt und der Porträtgiebel ist im Umbau.

Es bleibt abzuwarten, wann der einmütige Wunsch des Volkes es verlangen wird, endlich auch von ihm Statuen aufzustellen – Kim Jong Il musste damit aber bis nach seinem Tode warten.

 

Arbeiterparadies


Foto: Brigade, z.B. vor der Kolchose

Die DVR Korea ist das „Paradies der Werktätigen“, und gearbeitet wird definitiv sehr viel. In Nordkorea gilt die 6-Tage-Woche, mit 8 Arbeitsstunden pro Tag. An Sonntagen ist aber nicht einfach frei, da müssen nämlich alle arbeitsfähigen Personen in der Landwirtschaft mithelfen – entsprechend stehen sonntags noch deutlich viel mehr Leute in den Feldern als sonst.

Die Arbeit ist der Mittelpunkt des Lebens in Nordkorea, um die Arbeit dreht sich alles. Kaum ein Punkt im ganzen Land wird nicht von den Lautsprechern erreicht, welche das Land zur Motivation der Arbeiter permanent beschallen. Um halb sechs Morgens (sogar Sonntags!) startet das Programm mit dem gleichen Ton wie dem Startsignal zu alpinen Skirennen (bip-bip-biiip). Danach wechselt sich Marschmusik mit in zackiger Rhetorik vorgetragenen Durchsagen ab, gnadenlos ohne Unterbruch, den ganzen Tag. Die Mitarbeiter der landwirtschaftlichen Genossenschaften nehmen ihre Lautsprecher morgens mit aufs Feld, durch die Strassen der Städte fahren Fahrzeuge mit Megafonen. Und die Tonqualität ist grauenhaft, es rasselt und scheppert.

Völlig anders als bei uns sieht die Landwirtschaft aus – nicht nur wegen dem weit verbreiteten Reisanbau. Überall auf den Feldern flattern rote Fahnen mit oder ohne Parolen, welche den Arbeitsort einer Brigade markieren. Die Fahnen werden neben den Lautsprechern jeweils morgens aufs Feld getragen. Die Arbeitsmethoden sind dabei sehr rückständig und ineffizient. Abgesehen von einigen Traktoren, die zum Pflanzen von Reis eingesetzt werden, gibt es kaum mechanisierte Arbeitsabläufe – alles geschieht in mühsamer Handarbeit. Dabei kommen einige merkwürdige Arbeitsinstrumente zum Einsatz. So sind an Schaufeln häufig zwei Seile angebracht, damit jeweils zwei Personen daran ziehen können, während eine schaufelt. Material wie Beton oder Steine wird meist auf Tragen (nicht einmal Schubkarren!) transportiert.

In dem Buch „Nothing to Envy“, das den Alltag in Nordkorea beschreibt, wird das Zitat eines Journalisten erwähnt, der fand, er habe noch nie ein Volk gesehen, das so hart arbeitet und dabei so wenig erreicht wie die Nordkoreaner. Diesen Eindruck hatte ich auch.

Geld und Märkte


Foto: Koreanisches Geld

Als Tourist bekommt man in der DVR Korea keine einheimische Währung in die Hand – weder sind Einfuhr oder Ausfuhr erlaubt, noch wird das Geld irgendwo gewechselt. Der Ausländer bezahlt alles mit Euro, Yuan oder anderen harten Fremdwährungen. Obwohl auch in Devisenläden alle Preise in koreanischen Won angeschrieben sind, bleibt diese Währung irgendwie ein Mysterium.

Der offizielle Wechselkurs liegt bei 100 Won zum US-Dollar und ca. 130 Won zum Euro. Zu diesen Kursen werden die Beträge in allen Geschäften, in denen Touristen einkaufen dürfen, umgerechnet. Zum Teil handelt es sich dabei offensichtlich um „Devisengeschäfte“, die für Ausländer und privilegierte Inländer gedacht sind und in denen trotz Preisschildern in Won nur in Fremdwährung bezahlt werden kann. Allerdings bewegten sich die Preise in einigen Geschäften, die sich eindeutig an koreanische Kunden richten, auf ähnlichem Niveau. Unseren Führern zufolge kann dort in Won bezahlt werden.

Dies widerspräche allerdings der im Internet einhellig verbreiteten Information, dass der Schwarzmarkt-Kurs derzeit etwa 8‘000 Won pro US-Dollar beträgt (von unseren Führern als „Propaganda“ abgetan), denn bei so einem Kurs wären die Preise der (mehrheitlich importierten) Produkte lächerlich niedrig. Möglicherweise handelte es sich also auch bei diesen Geschäften um Devisenläden. An einer Autobahnraststätte kostete nämlich eine Getränkedose 5‘000 Won (nach offiziellem Kurs 50 US-Dollar!). Für diesen Schwarzmarkt-Kurs spricht auch die Tatsache, dass in Dandong gesamte Banknotensätze (bis zu 5‘000 Won) für nur 4 Franken als Souvenirs verkauft werden. Definitiv mit Won bezahlbar sind hingegen die Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr in Pjöngjang, der Tarif beträgt immer 5 Won.

Die verschiedenen Wechselkurse sind für die Löhne der Koreaner entscheidend. Normale Löhne in Nordkorea betragen zwischen 20‘000 und 30‘000 Won – gemäss offiziellem Kurs immerhin 200 bis 300 Franken, gemäss Schwarzmarkt-Kurs hingegen nur 2.50 bis 3.50 Franken.

Da die DVR Korea den Sozialismus aufrecht erhält, gibt es eigentlich ein System zur Verteilung der Lebensmittel. Es ist nicht vorgesehen, Lebensmittel in Läden zu kaufen. Auch Werbung ist in Korea völlig unbekannt. Dennoch gibt es Läden aller Art – meist unauffällig beschriftet im Erdgeschoss von Wohnblöcken, ausserdem kleine Kioske und pinke Zelte auf den grösseren Strassen (zumindest in Pjöngjang). Als Tourist hat man nur selten Zutritt zu den Läden, deshalb kann ich das Warenangebot nicht beurteilen. In jenen Lebensmittelgeschäften, in denen wir waren, gab es vorwiegend importierte Süssigkeiten, Snacks und Getränke – hingegen kein Fleisch, Gemüse oder Reis. Märkte sahen wir gar nie, sie sollen aber existieren (und ein recht üppiges Warenangebot haben). Da sie den Idealen des Staates widersprechen, werden sie wohl den Touristen nicht unter die Nase gerieben.

Stadtbild und Architektur


Foto: Parteigründungsdenkmal oder Juche-Denkmal

Pjöngjang ist eine Stadt, die auf den ersten Blick enorm beeindruckt. Mehrere monumentale Achsen mit riesigen Denkmälern und Wohnblocks erstrecken sich über das gesamte Stadtgebiet. Die Stadt wurde nach dem Koreakrieg in den 50er und 60er Jahren vollständig neu erbaut, und dies eindeutig nach sowjetischem Vorbild (wobei die Plattenbau-Architekten aus Ostberlin gekommen sein sollen). Im Gegensatz zu der Ex-Sowjetunion hat Pjöngjang aber das sozialistische Stadtbild nahezu vollständig erhalten, da seit den 90er Jahren wenig Neues dazu gekommen ist, und auch jenes sich völlig harmonisch ins Stadtbild einfügt. Für eine ostasiatische Stadt überraschend, macht Pjöngjang deshalb einen völlig (ost-)europäischen Eindruck, bis hin zu den Blumenrabatten sieht alles aus wie in der Ex-Sowjetunion – in einem solchen Ausmass, dass mir Nordkorea wie eine weitere, noch nicht besuchte ehemalige Sowjetrepublik vorkam und ich mich auch ohne Reiseführer mühelos zurechtgefunden hätte. Automatisch wusste ich so beispielsweise, wo im Kaufhaus sich die Papeterieabteilung befindet.

Ein grosser Kontrast zu den ehemaligen Sowjetrepubliken und eigentlich zum gesamten Rest der Welt, ist dass es überhaupt keine Werbung gibt, was natürlich zur Harmonie des Stadtbilds beiträgt. An deren Stelle ist die Propaganda für die Regierung, die – wenn man mal vom Inhalt absieht – in einer sehr ansprechenden Form daherkommt. Die Plakate mit den Appellen zum Aufbau und zur Verteidigung des sozialistischen Vaterlands sind schlicht sehr schön. Vielerorts stehen auch Standbilder von Kim Il Sung und Kim Jong Il, Statuen gibt es aber abgesehen vom Mansundae-Grossmonument fast keine.

Zwei grosse symmetrische Achsen, die sich jeweils über den Taedong-Fluss erstrecken, dominieren das Stadtbild: Vom Mansundae-Grossmonument zum Parteigründungsdenkmal sowie vom Grossen Studierpalast des Volks über den Kim-Il-Sung-Platz bis zur 170 Meter hohen Fackel des Juche-Turms und zwei symmetrischen Platten dahinter mit dem einprägsamen Slogan „hundert Kriege – hundert Siege“. Die zentralen wichtigeren Gebäude stammen alle aus der Zeit des stalinistischen Historizismus („Zuckerbäckerstil“), wodurch Pjöngjang in einem gewissen Mass Minsk ähnelt. Der Grossteil der restlichen Gebäude sind Plattenbauten nach Ostberliner Muster, in der Regel in Aquarellfarben bemalt und mit Parolen auf dem Dach. Nur in wenigen Quartieren haben sich die traditionellen einstöckigen koreanischen Häuser erhalten. Und für das erhaltene historische Stadttor schämt man sich fast („stammt aus der Sklavenhalterzeit“).

Der Strassenverkehr ist überschaubar, aber dass fast keine Fahrzeuge in den riesigen Strassen unterwegs sind, wie oft berichtet wird, stimmt nicht – im Gegensatz zu den Autobahnen gibt es durchaus regen Verkehr. Auch sieht man kaum ältere Fahrzeuge, sondern vorwiegend relativ moderne Wagen aus der Automobilfabrik bei Nampo, sowie nicht wenige West-Importe. Auf dem Kim Il Sung-Platz, der in jeder anderen Hauptstadt das pulsierende Zentrum des Lebens wäre, herrscht hingegen oft gähnende Leere. Auf den Strassen und Trottoirs der Stadt sind aber sehr viele Leute zu Fuss und per Velo unterwegs. Abends hingegen läuft fast gar nichts, und ab 10 Uhr ist kaum mehr etwas beleuchtet. Ein Blick aus dem Yanggakdo-Hotelturm zu dieser Zeit auf das dunkle Häusermeer lässt nicht darauf schliessen, dass man sich im Zentrum einer Millionenstadt befindet (Pjöngjang hat immerhin rund 3 Millionen Einwohner).

Auch die anderen Städte, die wir gesehen haben, sind nach dem Muster Pjöngjangs aufgebaut und erinnern stark an die ehemalige Sowjetunion. Es gibt aber weniger Monumente als in Pjöngjang (wobei Kim Il Sung selbstverständlich nirgendwo fehlen darf), und die Plattenbauten dominieren eindeutig. Im Gegensatz zum gepflegten, ordentlichen und sauberen Pjöngjang sind aber die Provinzstädte etwas weniger gut erhalten, die Plattenbauten sind häufig grau und bröcklig und die Strassen leer. Die landesweit einzige Altstadt hat sich in Kaesong an der Grenze zu Südkorea erhalten. Diese ist in einem guten Zustand und mit den farbigen, einstöckigen Häusern auch wirklich sehenswert.

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