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Von Genf an den Atlantik: Zu Fuss quer durch Frankreich

Endlich sind die Grenzen wieder offen! Mein erstes Projekt: Ich versuche, zu Fuss von Genf bis an den Atlantik zu gelangen. Phare de la Coubre heisst das Ziel, rund 800 km von Genf entfernt. Ich bin gespannt, was ich sehen und erleben werde. Denn Frankreich kenne ich überhaupt nicht, ich war noch an keinem einzigen Ort entlang der Route.

Das Schöne am Wandern über weite Strecken: Man entdeckt viele Orte, an die man sonst niemals kommen würde. Denn man kann nicht einfach gezielt Sehenswürdigkeiten anpeilen, man muss überall durch.

In diesem Blogeintrag erzähle ich jeden Tag eine kleine Geschichte von einem Highlight, einem Tiefpunkt, einem Abenteuer oder manchmal einfach nur ein schönes Bild.

Tag 8, Km 245: Tarare – Pommiers-en-Forez. Heute ging endlich meine Erwartung in Erfüllung, in einem netten Bistrot auf einem alten Dorfplatz Mittag zu essen. In Sainte-Colombe-sur-Gand gab es als Tagesmenu einen Hühnerragout mit Crème fraiche und als Dessert eine üppige Käseplatte. An den anderen Tischen spielte sich das Dorfleben ab, das im Wesentlichen im Apéritif der Handwerker bestand – Pastis scheint nicht mehr hoch im Kurs zu sein, dafür Rosé und Bier. Ich schätzte diese Gelegenheit ausserordentlich, denn es war das erste Mal überhaupt, dass ich französisches Essen bekam. Im durchschnittlichen französischen Dorf ist die einzige Verpflegungsmöglichkeit eine Pizzeria, falls es eine zweite gibt, entweder ein Kebab oder ein nordafrikanischer Imbiss (Le roi du Couscous). Offenbar kann die französische Küche weder preislich noch in der Geschwindigkeit damit mithalten. Deshalb hat sie sich in die Städte verzogen und ist auf dem Land offenbar nur noch selten anzutreffen. Schade!
Tag 3, Km 104: Champdor-Corcelles – Pont d’Ain. Endlich eine schöne Landschaft! Wenn man von Genf aus nach Frankreich läuft, kommt man zuerst durch einen Ausläufer des Juragebirges, die Region Haut-Bugey. Dort sieht alles aus wie im Schweizer Jura: Die etwas traurigen leeren Bauerndörfer, einsame Hügelrücken voller Kuhweiden, einzelne windschiefe Ställe mit Wellblech auf der Windseite… Die Region gefiel mir nicht. Heute aber stiess ich ganz unerwartet auf Weinberge, am westlichen Abhang des Haut-Bugey. Von einem Dorf zum anderen (nämlich zwischen Corlier und Châtillon-de-Cornelle) veränderte sich so ziemlich alles, und ganz besonders die Architektur. Seither sehen die Dörfer nun südländisch aus und mit ihr auch das Benehmen ihrer Bewohner – weg von den kauzigen Bergbauern, hin zu den fröhlichen Weinbauern.

Tag 2, Km 72: Bellegarde sur Valserine – Champdor-Corcelles. Ich habe zum ersten Mal auf dieser Reise unter freiem Himmel geschlafen. Frankreich ist ja nur dünn besiedelt und manchmal gibt es über längere Strecken keine Unterkünfte. Also habe ich einen Biwaksack mitgenommen, für den Fall, dass ich keine Unterkunft finde oder einfach mehr Lust habe, draussen zu schlafen. Leider sind die Wetteraussichten mit den ständigen Gewittern alles andere als günstig für dieses Vorhaben. Immerhin hat es nun schon in der 2. Nacht geklappt mit dem draussen schlafen. Auch wenn ich mir auf dem Camping zwischen den Wohnwagen etwas verloren vorgekommen bin. Das geht noch besser.
Tag 1, Km 37: Genf – Bellegarde sur Valserine. Das Fort d’Ecluse steht an der engsten Stelle, wo sich die Rhône durch die erste Jurakette Frankreichs zwängt. Das erste Highlight meiner Wanderung! Die Aussicht über die ganze Umgebung von Genf und die Jurahügel ist grandios. Ich fand das riesige Fort, eigentlich eine Sehenswürdigkeit, ganz verlassen vor. Kein Mensch war in Sicht, und auch kein Tier, was eine Enttäuschung war: Eine Freundin in Genf hatte mich darauf hingewiesen, dass dies das Habitat eines seltenen Vogels, des Mauerläufers, sei. Doch auch von ihm war keine Spur zu sehen.

11 Kommentare

  1. Lieber Daniel
    Beat und ich wünschen Dir eine spannende Wanderung und freuen uns daauf, Deine täglichen Berichte lesen zu können.
    Gutes Gelingen bei Deinem spannenden Abenteuer!
    Beste Grüsse
    Heidi Christen

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  2. …und wie immer auf deinem fantastischen Blog lese ich gerne mit! Danke schonmal!
    Nur interessehalber: Du bist gefühlt schon seit Monaten auf Wanderung. Hat man als Schweizer Staatsbediensteter so viel Urlaub?

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    1. Danke 🙂 So fühlt es sich für mich auch an… Aber in der Schweiz bin ich vorwiegend an Wochenenden und am Feierabend gewandert, es ist ja sehr nahe in die Berge. Wir haben so viele Ferien wie andere, aber ich tendier ein bisschen dazu, Überzeit anzuhäufen und sie dann mit längere Reisen zu kompensieren…

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  3. Herzlichen Glückwunsch, dass Du Dein tolles Abenteuer trotz z.T. widerlichen Umständen geschafft hast!
    Deine süffig geschriebenen Blog-Einträge haben wir mit Hochgenuss gelesen und genossen.
    Beat und Heidi

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  4. I came across your blog and I want to say I’ve really enjoyed it! I can’t speak German but I have been using the Chrome translate to read all the posts, even the old ones. The pacific islands are amazing. I hope to do it too when the pandemic is over.

    Thanks for posting these and keep travelling!

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