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MAPDUMP: Ungewöhnliche Landkarten der Schweiz

Der 31. Dezember 2021 war der letzte Tag in der Geschichte von 18 Gemeinden der Schweiz. Im Aargau fusionierten gleich acht Gemeinden zur neuen Gemeinde Zurzach AG – allerdings machten nicht alle Gemeinden im Zurzibiet mit: Mellikon und Fisibach bleiben selbständig. Mellikon wird so zur Enklave, Kaiserstuhl zur Exklave. Im Lauf des Jahres wird es zwei weitere Fusionen in den Kantonen Tessin und – eine kleine Sensation – Appenzell Innerrhoden geben.
Es gab sogar eine interkantonale Fusion: Die kleine Berner Gemeinde Clavaleyres (51 Einwohner) schloss sich – zusammen mit den Freiburger Gemeinden Gempenach und Galmiz – der Gemeinde Murten an. Die Exklave hatte seit 1484 zu Bern gehört, nur nach den Wirren der Französischen Revolution war sie kurzzeitig Teil des Kantons Freiburg. Anders als ihr Name vermuten lässt, ist die Bevölkerung deutschsprachig. Eigentlich wollte Clavaleyres mit der Berner Schwesterexklave Münchenwiler BE fusionieren – dieses lehnte das Begehren 2006 aber ab. Also schaute sich Clavaleyres nach anderen Partnern um – und wurde in Murten fündig. Die interkantonale Fusion löste einen beachtlichen Papierkrieg aus, von Abstimmungen in den beteiligten Gemeinden über die Kantonsparlamente von Bern und Freiburg bis hin zu einem Antrag des Bundesrats an die Bundesversammlung. Übrigens grenzt Clavaleyres nicht an die bisherige Gemeinde Murten und bleibt so weiterhin eine Exklave – wenn auch neu nur noch auf Gemeindeebene.
Dies wird voraussichtlich ab dem 1. Januar 2026 die neue Grenze zwischen den Kantonen Bern und Jura sein: Am 28. März 2021 sprachen sich 55% der Einwohner Moutiers dafür aus, sich dem Kanton Jura anzuschliessen. Die Grenze ist ziemlich kurios: Sie macht das kleine Dorf Roches BE praktisch zu einer bernischen Exklave, nur über einen Berg wird das Dorf mit dem Rest des Kantons verbunden sein. Ausserdem trennt sie Moutier von seinen Vororten Perrefitte, Eschert und Belprahon. Der Kanton Bern wird übrigens schon vor 2026 Territorium verlieren: Am 1. Januar 2022 fusioniert die kleine Exklave Clavaleyres mit dem freiburgischen Murten, das Gebiet geht an den Kanton Freiburg über.
Erst 1951 kam es an der schweizerisch-französischen Grenze zur letzten Grenzveränderung. Im Nordosten des heutigen Kanton Juras ragt ein Stück Schweiz weit nach Frankreich hinein, der sogenannte Largzipfel (auch „Entenschnabel“ genannt). Er wird vom Bächlein Larg begrenzt. Der Larg aber veränderte mit der Zeit seinen Lauf, so dass der schweizerische Grenzstein Nr. 110 nach dem Zweiten Weltkrieg plötzlich am französischen Ufer lag. 1951 kamen die beiden Länder überein, dass der Flusslauf die Grenze bilden sollte und nicht der uralte Grenzstein, die Schweiz verlor so ein paar Quadratmeter Territorium. Kein grosser Verlust: Mittlerweile hat die Schweiz just an der Stelle eine Brücke gebaut, deren Brückenkopf auf der französischen Seite fast das ganze verlorene Gebiet belegt. Bilder und Details dazu im Bericht zu meiner Winterwanderung.
Wer kennt es nicht: Auswärtige erkennt man daran, dass sie nicht wissen, wie man lokale Ortsnamen richtig ausspricht. Die „korrekte“ Aussprache von Ortsnamen ist in der Deutschschweiz häufig Insiderwissen. Manche Aussprachen sind lediglich durch den Dialekt bedingt, häufig aber ist der Unterschied doch deutlich grösser. Die Landkarte gibt einen Überblick über einige der krassesten Beispiele. Ein anderes Thema sind übrigens die Abkürzungen von Ortsnamen, die besonders im Raum Zürich beliebt sind – Bassi für Bassersdorf, Dübi für Dübendorf, Hombi für Hombrechtikon (!!!) – oder auch La Tchaux für La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg.
Einst war die Schweiz sehr kleinräumig: Selbst kleinste Dörfer hatten eigene politische Organe und eine Verwaltung. In den letzten 30 Jahren sind viele solche Kleinstgemeinden durch Fusionen verschwunden – am radikalsten im Kanton Glarus, wo es nur noch drei Gemeindem gibt. Die Karte zeigt für jeden Kanton die kleinste Gemeinde. Schweizweit am wenigsten Einwohner hat die Gemeinde Kammersrohr SO, die seit vielen Jahren erfolgslos einen Fusionspartner sucht.
Die letzten Veränderungen der Schweizer Grenze liegen gar nicht so lange zurück. 1862 trat die Schweiz im Vertrag von Dappes ein Tal südwestlich des Weilers La Cure ab, da dieses Tal für Frankreich militärische Bedeutung hatte. Im Gegenzug erhielt die Schweiz Gebiet am Noirmont sowie einen Teil von La Cure, das seither von der Grenze geteilt wird.
Die Grenze teilt nicht nur La Cure, sondern auch mehrere Gebäude in diesem Dorf. Einige davon entstanden überhaupt erst wegen der Grenze – zum Beispiel das Hotel Arbez, das sogar Hotelzimmer hat, durch welche die Grenze verläuft. Mehr zu diesem einzigartigen Hotel findet sich in diesem Blogeintrag.
Am 1. Januar 2021 wurden 31 schweizerische Gemeinden mit teils jahrhundertealter Geschichte aufgelöst. Viele von ihnen schlossen sich einer grösseren Nachbargemeinde an (in der Landkarte blau markiert). Andere fusionierten zu einer neuen Gemeinde mit neuem Namen. Diese Namen finde ich nicht immer sehr gelungen, da sie besonders im Kanton Freiburg häufig etwas gesucht klingen und wenig mit traditionellen Ortsbezeichnungen gemein haben.

2 Kommentare

  1. Lieber Daniel

    Beat und ich haben gestern Deine neu erstellten besonderen Schweizer Karten gesehen und sind begeistert. Genauso begeistert, sind wir von Deinen Berichten und professionellen Fotos der Reisen rund um die Welt!

    Wir freuen uns auf alles Weitere und hoffen mit Dir, dass Reisen bald wieder möglicher wird.

    Beste Grüsse Heidi Christen und Beat Zwygart

    >

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Heidi, lieber Beat
      Vielen Dank für euren netten Kommentar! Bald kommen ein paar weitere Schweizer Karten dazu… und ja, auch ich hoffe, dass die Reisen anschliessend bald wieder internationaler werden.
      Lieber Gruss von nebenan, Daniel

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