dark tourism Reportage

Marslandschaft: Die verlassenen Minen von Mazarrón

Ein Vergnügungspark für Abenteuerlustige: In Mazarrón ist ein riesiges Minengelände frei zugänglich. Es ist wohl der farbenprächtigste "verlassene Ort", den ich je gesehen habe.
Das Besondere an den Minen von Mazarrón in der spanischen Region Murcia sind die intensiven Farben, die ihr den Anschein einer Marslandschaft geben: Boden, Gebäude und Wasserlachen erstrahlen in allen vorstellbaren Gelb- und Rottönen.
Nur ganz kleine Bereiche der Minenlandschaft sind im Privatbesitz und darum abgesperrt. Hier knurren böse Hunde und flössen schon durch den rostigen, löchrigen Zaun Respekt ein. Der grösste Teil der Minenlandschaft hingegen ist völlig frei zugänglich. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, kann man am Ortsausgang von Mazarrón auf der RM-607 parkieren: Die Kies-Parkplätze sind sogar auf Google Maps eingezeichnet. Gleich hinter dem Parkplatz überquert man einen kleinen Geröllwall und hat danach freien Zugang zu den Minen.
Es ist nicht verboten, die Minen zu betreten. Ein Schild warnt aber, dass es gefährlich sei. Tatsächlich ist Vorsicht geboten: Die Minen sind Industrieruinen und keine Touristenattraktion. Entsprechend gibt es keinerlei Absperrungen, etwa bei losem Untergrund oder tiefen Löchern. Diese Löcher – die Schächte hinunter zu den früheren Stollen – sind tatsächlich die grösste Gefahr. Ich sah aus so einem Loch Tauben fliegen und schaute vom Rand her vorsichtig hinunter: Ein Boden war nicht erkennbar. Kein Wunder. Wie ich mittlerweile recherchiert habe, sind manche von ihnen 500 Meter tief. Zudem sollte man passende Schuhe mitbringen: Turnschuhe sind OK, Flip-Flops und Absatzschuhe nicht.
Im Zentrum des Minenkomplexes stehen die Ruinen der Minensiedlung Coto de San Cristóbal. Von hier aus kann man Abstecher machen zu den verschiedenen stillgelegten Industrieanlagen – oder für die beste Aussicht auf den Cerro San Cristobal. Auf diesem Hügel findet man sogar noch Überreste aus römischer Zeit. Die Römer hatten den Erzreichtum der Berge bei Mazarrón als Erste erkannt und mit dem Abbau begonnen.
Ab den 1880er Jahren wurde dann Metall in industriellem Ausmass abgebaut: Blei, Silber, Zink, Eisen und Kupfer. Dazu wurde ein ausgedehntes System an Schächten und Stollen angelegt, das heute langsam zerfällt. Der Aushub aus diesen Stollen liegt nun an der Erdoberfläche – und erklärt die Farbenpracht des Bodens.
Das fotogene rote Wasser wird als „drenaje ácido“ bezeichnet: Saurer Ausfluss. So schön das Wasser aussieht, so schädlich ist es für die Umwelt. Der sauer Ausfluss bedroht die Grundwasserbestände in der Umgebung von Mazarrón.
1969 schlossen die Minen von Mazarron, der Abbau der Metalle war unrentabel geworden. Um einen Rückbau der Gebäude und Industrieanlagen hat sich seither niemand gekümmert. Deshalb sind alle Gebäude zugänglich. Den meisten fehlt mittlerweile das Dach. Achtung: Manche Gebäude sind mehrstöckig, wobei die oberen Stockwerke teils instabil wirken. Nur mit grosser Vorsicht betreten!
Die leerstehenden Gebäude dienen mittlerweile Street Art-Künstlern als Projektionsfläche – auch in dieser Hinsicht gibt es in den Minen einiges zu entdecken.
Wie verlassene Wildwest-Städte wirken die verlassenen Industrieanlagen. Das Gebiet der Minen ist ziemlich ausgedehnt und fast gänzlich frei von Vegetation. Stundenlang kann man hier durch die „Wüste“ ziehen und Entdeckungen machen. Und dies fast allein: Bei meinem Besuch traf ich nur hin und wieder auf eine Gruppe niederländischer Pensionäre. Allerdings war ich im November dort – während der Touristensaison dürfte es hier mehr Urban Explorers geben.
Sieht giftig aus: Hier ist wohl eine Lache mit rotem Wasser bereits versickert.
Vom Eisenerz rot gefärbter Aushub am Cerro San Cristóbal.
Tiefes Gelb bei den Industrieanlagen des Coto Perules.

Mehr „Dark Tourism“ in diesem Blog:
🇨🇭 Die unheimliche Ruine des Sanatorio del Gottardo
🇨🇭 Das verlassene Bad Lostorf
🇪🇸 Die Minen von Mazarrón
🇩🇪 Die letzten Industrieruinen von Bitterfeld
🇨🇿 Dark Tourism in Brno
🇳🇷 Sightseeing in Nauru
🇨🇳 Die Asbestmine auf der Grenze von Xinjiang und Qinghai

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