Ich bin mit einer Freundin nach Salzburg gewandert. Der Planungshöck war denkbar kurz: Wir wollten eine Fernwanderung machen. Zwei Wochen. Vom Rheintal aus, wo wir beide herkommen (wenn man grosszügigerweise eine Ecke Appenzellerland dazurechnet). Salzburg war die erste Idee, womit die Planung auch schon beendet war. Eine Woche vor dem Start buchten wir dann noch die erste Übernachtung, das war’s.
Der Weg vom Rheintal nach Salzburg ist nicht der Jakobsweg und auch kein anderer Pilger- oder Europawanderweg wie der berühmte E5. Es ist einfach nur der Weg, der entsteht, wenn man losgeht und sich jeden Tag neu überlegt, wie weit ostwärts man es schafft – bis man irgendwann in Salzburg ist. Und dennoch ist es ein spektakulär schöner Weg. So sieht er aus:
Man quert das Rheintal von Lustenau nach Dornbirn zwischen Maisfeldern.Oberhalb von Kehlegg wirft man einen letzten Blick zurück in das heimatliche Rheintal.Es geht über hohe Hügel und durch den Nebel zur Bregenzerhütte.
Exkurs 1: Die vielfältige Botanik machte den Weg stets kurzweilig.
Hinunter führt der Weg in den Bregenzerwald, nach Mellau – bekannt aus dem Hit „Vo Mello bis ge Schoppornou„. Von Mellau sind wir wirklich nach Schoppernau gelaufen, haben den Song dazu gehört und die Füsse haben uns nicht weh getan.Nach Schoppernau führt der Weg durch zwei Tunnels, da es keine Wander- oder Fusswege als Alternative gibt.Im Ferienort Schröcken beginnt der Aufstieg zum Hochtannberg-Pass.Der Hochtannberg-Pass ist nahe des südlichsten Punkts Deutschlands.Der Weg führt vorbei am letzten Dorf Vorarlbergs, Warth (rechts) über die Grenze nach Tirol.Nun folgt der Weg dem Fluss Lech und heisst Lechweg. Einer der schönsten Flüsse der Alpen!Bei Griessau führt der Weg durch Sumpf- und Moorlandschaften.Wenn man Erfrischung braucht, führt der Weg auch in den Lech hinein.
Exkurs 2: Das schönste am Fernwandern ist,d ass man immer einen riesigen Appetit hat. Wir haben ausgezeichnet gegessen, die deftige Küche der Region kam dem Wanderhunger entgegen.
Hinter Stanzach, wo der Kapellmeister ein Diepoldsauer ist (so hat man uns berichtet) führt der Weg über eine Hängebrücke über die Lech-Auen.In Weissenbach am Lech führt der Weg dem Baggersee entlang, der ebenfalls zum Bad einlädt.Von Reutte hinauf zum Plansee führt ein frisch gebauter Veloweg.Den Weg dem Plansee entlang muss man sich mit einer Dose Kaiser-Bier in der Hand vorstellen.Hinter dem Plansee quert der Weg die Grenze von Tirol nach Bayern, ohne jegliche Schilder oder Kontrolle.Bevor man in Deutschland eine Ortschaft sieht, begegnet einem die Deutsche Bahn.Die Altstadt von Partenkirchen liegt am direkten Weg vom Rheintal nach Salzburg.Am Rande des Weges liegt das Zugspitzen-Massiv.Weiter geht es entlang des Karwendels durch eine Moorlandschaft nach Wallgau.
Exkurs 3: Wanderer haben nicht nur Hunger, sondern auch Durst. Die durchwanderte Gegend ist von Kleinbrauereien geprägt – in jedem Tal gab es ein anderes Bier!
Die einsamste Gegend der ganzen Wanderung ist das obere Isartal, wo es nur alle 10 Kilometer einen Weiler gibt.Der Weg führt über den fast ausgetrockneten Sylvensteinspeicher. Im Schlick am Seegrund ist zwei Tage zuvor jemand fast versunken.Der Weg führt steil hinauf auf den Achenpass.…und hinunter nach Tegernsee zum schönen Turmhotel. Zu unserer Überraschung ist das der reichste Ort Deutschlands, was man an den gut betuchten Damen mit kleinen nervösen Hunden gut erkennen kann. In der Brauerei ist der normale Pöbel versammelt und es gibt Bier für 3.30 € die Halbe.
Exkurs 4: Nicht nur die Landschaften begeisterten, auch die Ortsbilder. Von oben links: Holzgau, Garmisch, Wallgau, Tegernsee, Neubeuren, Aschau im Chiemgau.
Zwischen Tegernsee und Schliersee führt der Weg zum letzten Mal ins Gebirge.Und dann direkt ins hügelige Voralpenland. Hier entpuppt sich der in der Landkarte eingezeichnete Weg als Wiese.Und plötzlich sieht es so aus, als wären wir wieder im Rheintal! Landschaft in der Nähe von Bad Feilnbach.Der Weg führt durch das Münchner und das Salzburger Tor im Mini-Städtchen Neubeuren.Nach einer langen Durststrecke auf einem sehr heissen Veloweg furtet der Weg nach Salzburg bei Aschau die Prien, was uns die grösste Erquickung der Reise bescherte. Füsse in den Bach, (alkoholfreies) Bier auf!Noch ein Moor, diesmal eine Torf-Abbbaugegend. Noch nie zuvor gesehen: Reiter haben Vortritt gegenüber Fussgängern.
Exkurs 5: Auch die Pilzvielfalt begeisterte. Der Pilz unten rechts heisst Dickschaliger Kartoffelbovist, sehr deutsch!
Der Weg führt mitten durch die schöne Altstadt von Traunstein, deren markanter Jacklturm erst 1998-2000 wieder aufgebaut wurde.Hinter Traunstein ist der Weg nach Thunstetten in der Wiese kaum erkennbar.Gestärkt mit dem ausgezeichneten Wieninger-Bier von Teisendorf geht es weiter nach Thundorf, dessen Kirche sich hinter dem Maisfeld versteckt.Von Ulrichshögl aus ist der Salzburger Hausberg Gaisberg bereits in Sicht.Der Weg führt durch eine letzte deutsche Ebene bei Mitterfelden.Und über die deutsch-österreichische Staatsgrenze ins Salzburger Vorort Wals-Siezenheim.Die Stadtgrenze von Salzburg!Der Weg endet am Salzburger Hauptbahnhof, von wo aus der Railjet zurück ins Rheintal fährt.